Natur & Mensch

Klimaoasen, Museen und die neue Beziehung zwischen Mensch und Natur 

Museen im Wandel – vom Bewahren zum Mitgestalten 

Museen befinden sich gegenwärtig in einem grundlegenden Wandel. Ihre Aufgabe besteht längst nicht mehr allein darin, Objekte zu sammeln, zu bewahren und auszustellen. Vielmehr entwickeln sie sich zu Denk-, Dialog- und Transformationsräumen, in denen gesellschaftliche Fragen verhandelt werden. Themen wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust oder nachhaltige Stadtentwicklung sind dabei nicht nur naturwissenschaftliche Herausforderungen, sondern auch kulturelle, soziale und ethische Fragen. Museen können in diesem Kontext eine besondere Rolle einnehmen: als Orte der Orientierung, der Reflexion und der gesellschaftlichen Selbstverständigung.  

Vor diesem Hintergrund gewinnen Projekte an Bedeutung, die wissenschaftliche Forschung, gesellschaftliche Beteiligung und konkrete räumliche Veränderungen miteinander verbinden. Museen werden dabei zu Plattformen, auf denen Wissen nicht nur vermittelt, sondern gemeinsam entwickelt und diskutiert wird. 

Klimaoasen Oldenburg – Denkmal, Naturraum und Forschungsfeld 

Das Projekt Klimaoasen Oldenburg verband denkmalgeschützte historische Grünanlagen mit wissenschaftlicher Forschung, kultureller Vermittlung und partizipativer Beteiligung der Bevölkerung. Ziel war es, historische Stadtgrünanlagen klimaresilient weiterzuentwickeln und gleichzeitig das Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge, Klimaanpassung und den Wert urbaner Natur zu stärken. Dafür trafen in diesem Projekt mehrere Ebenen aufeinander: Naturwissenschaft, Kulturwissenschaft, Denkmalpflege, Stadtentwicklung, Bildung und gesellschaftliche Partizipation.  

Die historischen Parkanlagen sind nicht nur als Gegenstand von Pflege und Erhalt zu verstehen, vielmehr verkörpern sie als lebendige Räume, in denen sich ökologische, kulturelle und gesellschaftliche Fragen miteinander verbinden lassen. Umgesetzte Maßnahmen zur Klimaanpassung – etwa zur Wasserspeicherung, zur Förderung von Biodiversität oder zur Planung eines klimaresilienten Baumbestandes – wurden hier langfristig sichtbar und erfahrbar gemacht. Gleichzeitig dienen die Anlagen fortlaufend als Orte der Vermittlung, der Forschung und der Beteiligung. 

Naturverbundenheit und Sensibilisierung 

Ein zentraler Ausgangspunkt des Projekts war die Beobachtung, dass die Beziehung zwischen Mensch und Natur in modernen Gesellschaften vielfach geschwächt oder verloren gegangen ist. Der Klimawandel ist nicht nur ein technisches oder politisches Problem, sondern auch Ausdruck eines gestörten Verhältnisses zwischen Mensch und Umwelt. In vielen Ansätzen der Umweltgeisteswissenschaften wird daher davon ausgegangen, dass langfristiger Klimaschutz nicht allein durch Informationen oder Verbote erreicht werden kann, sondern durch eine veränderte Beziehung zur Natur – durch Erfahrung, Begegnung, Wahrnehmung und emotionale Verbindung. 

Das Projekt Klimaoasen arbeitete daher bewusst mit partizipativen Formaten, Workshops, Dialogveranstaltungen und künstlerischen sowie wissenschaftlichen Vermittlungsformaten, die Menschen ermöglichten, Natur nicht nur zu verstehen, sondern zu erleben und sich als Teil eines größeren ökologischen Systems zu begreifen. Ziel war es, Sensibilisierung nicht nur als Wissensvermittlung zu verstehen, sondern als Prozess der Wahrnehmung, der Erfahrung und der persönlichen Auseinandersetzung mit Natur und Klimawandel.

Gartendenkmäler als Orte der Transformation 

Gartendenkmäler sind nicht nur Außenanlagen, sondern Schnittstellen zwischen Innen- und Außenraum, zwischen Sammlung und Landschaft, zwischen Wissen und Erfahrung. Sie können Orte der Umweltkommunikation, der Klimabildung, der Partizipation und der gesellschaftlichen Transformation sein. Sie fungieren als außerschulische Lernorte, als Orte der Begegnung und als sogenannte „Dritte Orte“ in der Stadtgesellschaft, die niedrigschwellige Zugänge zu komplexen Themen ermöglichen können.  

Genau das ist hier passiert…Link zu Stationen 

Gartendenkmäler verbinden auf besondere Weise kulturelles Erbe, Naturraum und gesellschaftliche Nutzung. Sie ermöglichen eine sinnliche und körperliche Erfahrung von Themen, die in Ausstellungen häufig abstrakt bleiben. In ihnen lassen sich ökologische Prozesse beobachten, Veränderungen wahrnehmen und Fragen nach Nachhaltigkeit, Stadtentwicklung und Zukunft konkret verhandeln. Damit können Museumsgärten zu Orten werden, an denen Transformation nicht nur erklärt, sondern erlebt wird. 

Partizipation, Forschung und gesellschaftlicher Dialog 

Das Projekt Klimaoasen verstand sich daher nicht nur als Umwelt- oder Bauprojekt, sondern als kulturelles und gesellschaftliches Projekt. Es ging übergreifend darum, Handlungsräume zu eröffnen statt Ohnmacht zu verstärken, Wissen zu teilen statt nur zu vermitteln und Menschen aktiv in Transformationsprozesse einzubeziehen. Partizipation, Citizen Science und dialogische Formate waren zentrale Bestandteile des Projekts und bildeten wichtige Grundlagen für die entstandenen Konzeptionen. Forschung, Gestaltung und Vermittlung wurden dafür als gemeinsamer Prozess verstanden, in dem Wissenschaft, Museum und Stadtgesellschaft zusammenarbeiteten.  

In diesem Sinne entstanden neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Kulturinstitutionen und Öffentlichkeit. Besucher*innen wurden von Rezipient*innen zu Mitdenkenden und Mitgestaltenden. Dadurch veränderte sich auch die Rolle des Museums selbst: Es wird zu einem Ort, an dem Wissen, Erfahrung und gesellschaftlicher Dialog miteinander verbunden werden. 

Ein übergeordnetes Ziel – eine neue Beziehung zwischen Mensch und Natur 

Die neuen Erlebnisstationen verfolgen daher ein Ziel, das weit über die konkrete Gestaltung einzelner Parkanlagen hinausgeht: Sie sollen dazu beitragen, eine neue Beziehung zwischen Mensch und Natur zu entwickeln. Eine Beziehung, die nicht auf Nutzung und Kontrolle basiert, sondern auf Aufmerksamkeit, Verantwortung und gegenseitiger Abhängigkeit. Wenn Menschen Natur nicht nur als Ressource, sondern als Lebensgrundlage, Mitwelt und kulturellen Raum begreifen, verändern sich auch ihr Verhalten und ihre Entscheidungen. 

Museen können in diesem Prozess eine zentrale Rolle spielen. Sie sind Orte, an denen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammenkommen, an denen Wissen, Erfahrung und gesellschaftlicher Dialog miteinander verbunden werden können. Projekte wie Klimaoasen Oldenburg zeigen, dass Museen nicht nur Orte des Bewahrens, sondern auch Orte der Veränderung sein können – Orte, an denen neue Formen des Zusammenlebens mit Natur erprobt, diskutiert und sichtbar gemacht werden. 

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