Partizipation und Öffentlichkeitsarbeit

Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die aktive Einbindung der Öffentlichkeit. Das Landesmuseum Natur und Mensch setzte früh auf einen offenen Dialog und entwickelte partizipative Formate, um die Bevölkerung in die Denkprozesse einzubeziehen. Ziel war es einerseits, über die geplanten Anpassungsmaßnahmen zu informieren und lokales Wissen sowie Erfahrungen vor Ort aufzunehmen. Andererseits sollten die Nutzungsgewohnheiten der Besucher*innen besser verstanden werden, um diese mit den ökologischen Zielsetzungen in Einklang zu bringen. 

Der partizipative Ansatz bezog sich dabei nicht auf die Auswahl der Maßnahmen selbst, da diese bereits mit der Antragstellung festgelegt worden waren. Vielmehr ging es um die prozesshafte Entwicklung geeigneter Beteiligungsformate, die sich an den Bedürfnissen der Oldenburger*innen orientierten und zugleich das Bewusstsein für Klimathemen stärken sollten. 

Bereits zum Projektstart wurden sogenannte Pop-up-Formate umgesetzt, die dazu einluden, aus einer rein passiven Rolle herauszutreten und sich aktiv an Vermittlungs- und Gestaltungsprozessen zu beteiligen. Auf Grundlage empirisch-kulturwissenschaftlicher Methoden wurden im weiteren Verlauf qualitative Beteiligungsformate, interaktive Workshops, Dialogrunden und Umfragen entwickelt. 

Insgesamt beteiligten sich rund 750 Personen an diesen Formaten. Die dabei gewonnenen Perspektiven, Ideen und Wünsche wurden kulturwissenschaftlich ausgewertet, um die Nutzungsansprüche an die Gartendenkmäler besser zu verstehen. Diese Erkenntnisse bildeten schließlich eine wichtige Grundlage für die Entwicklung interaktiver Erlebnisstationen sowie eines neuen Kommunikationssystems im Eversten Holz. 

Für die Umsetzung dieses gemeinschaftlichen Forschungsprozesses wurde das Projekt Klimaoasen Oldenburg mit dem UGO-Open-Science-Preis 2025 der Universitätsgesellschaft Oldenburg e.V. ausgezeichnet. Gewürdigt wurde damit ein wissenschaftlicher Ansatz, der offen, transparent und partizipativ gestaltet ist und den Austausch zwischen Forschung und Gesellschaft aktiv lebt. 

Partizipationsprozess 

Natur ist ständig im Wandel, doch in einer konsumorientierten Gesellschaft geht die Verbindung zu ihr oft verloren. Auch Faktoren wie Urbanisierung, die Beschleunigung des Alltags und eine stark leistungsorientierte Denkweise tragen zur Entfremdung von der natürlichen Umwelt bei. Partizipation im Projekt Klimaoasen Oldenburg soll Mensch und Natur wieder enger miteinander verknüpfen – nicht nur im physischen Raum, sondern auch auf mentaler Ebene. Es geht darum, klima-fit zu denken und Natur als lebendigen Teil unseres Lebens zu begreifen.

Wie funktioniert Partizipation überhaupt?

Beteiligungsforschung und Partizipation sind keine klar umrissenen, naturwissenschaftlich exakt definierbaren Prozesse – genau das macht sie so besonders und zugleich herausfordernd.

Partizipation bedeutet, dass Menschen nicht nur passiv beobachtet werden, sondern aktiv in den Forschungsprozess eingebunden sind. Das geschieht auf vielfältige Weise: durch das Stellen von Fragen, kreative Arbeit, Interviews und verschiedene methodische Ansätze, die alle wissenschaftlich ausgewertet werden. Aus den gesammelten Erkenntnissen entwickeln sich Antworten auf die Forschungsfragen – in diesem Fall sichtbar gemacht durch Hands-On Stationen und einem Leitsystem.

Die Beteiligungsforschung bedient sich kulturwissenschaftlicher Feldforschung: Sie beginnt mit der Beobachtung, führt zur Entwicklung einer Forschungsfrage und setzt auf partizipative Datenerhebung gemeinsam mit den Menschen. Die Analyse dieser Daten mündet schließlich in die Beantwortung der Forschungsfrage. So entsteht eine Methodik, die nicht nur Ergebnisse produziert, sondern auch einen Prozess erfahrbar macht – einen Prozess, der auf Gedanken, Geschichten und Gefühlen basiert und gerade deshalb so vielschichtig ist.

Das schwammige Gefühl, das sich bei der Auseinandersetzung mit partizipativen Prozessen einstellt, ist ein unmittelbarer Ausdruck der offenen, dynamischen und prozessorientierten Natur dieser Forschung. Sie lebt von Dialogen, gemeinsamer Gestaltung und der aktiven Einbindung aller Beteiligten.

Partizipation bedeutet mehr als Zuhören – sie erfordert aktives Mitgestalten. Ziel im Projekt Klimaoasen Oldenburg war es, Menschen aus der passiven Rolle herauszuholen und sie zu Mitgestaltenden zu machen. Besonders Storytelling erwies sich als wirksame Methode: Persönliche Erzählungen brachten Emotionen und individuelle Perspektiven in den Dialog ein und schufen neue Zugänge zu Natur- und Klimathemen. (Mehr dazu findet sich unter Kulturwissenschaftliche Begleitforschung unter dem Punkt “Methodik & Forschungsdesign”)

Wo fand Partizipation statt – und was war nicht Teil davon?

Von Anfang an wurde im Projekt Klimaoasen Oldenburg auf größtmögliche Beteiligung gesetzt, um gemeinsam eine zentrale Frage zu beantworten:

Wie können innerstädtische Grünflächen so gestaltet und genutzt werden, dass Menschen sich darin erholen, gleichzeitig ökologische Prozesse besser verstehen – und aktiv am Erhalt und Stärkung dieser Orte mitwirken können?

Die baulichen Maßnahmen – also die grün-blauen Infrastrukturmaßnahmen zur Klimaanpassung – waren nicht Teil der Beteiligung. Sie standen bereits zu Projektbeginn fest, wurden von Fachfirmen geplant und sukzessive umgesetzt.

Die Beteiligung setzte bei den Menschen vor Ort an: Bereits in einer ersten Pop-up-Phase wurden Interessen und Perspektiven unterschiedlicher Zielgruppen erfasst. Darauf aufbauend entstanden neue, zielgerichtete Formate wie Klimaspaziergänge, Round Tables für baulich Interessierte, wissenschaftlich begleitete ko-kreative Workshops sowie eine Online-Umfrage. Ergänzt wurde das Angebot durch eine Klima-Kino-Reihe mit globalem Blick und ein Klima-Festival, das regionale Akteur*innen vernetzte. (Mehr dazu findet sich unter Kulturwissenschaftliche Begleitforschung unter dem Punkt “Veranstaltungsformate & Datenerhebung”)

Pop-up Veranstaltungen im ersten Projektjahr und die partizipativ daraus entwickelten Veranstaltungsformate. © Verena Kern www.verena-kern.de

Wie ist „Partizipation als Prozess“ zu verstehen?

Partizipation im Projekt Klimaoasen Oldenburg ist ein dynamischer, fortlaufender Prozess. Entscheidend war, dass die Beteiligung nicht punktuell, sondern kontinuierlich über verschiedene Methoden und Kanäle hinweg erfolgte. Was als Pop-up im ersten Jahr begann, etablierte sich als festes Format in den darauffolgenden Jahren, um sich der Beantwortung der Forschungsfrage Schritt für Schritt zu nähern. Dabei wurden auch die Veranstaltungsformate selbst von den Bürger*innen entworfen oder ausgewählt.

Erkenntnisse aus den verschiedenen Dialogformaten flossen direkt in die Weiterentwicklung der Formate und in die Entwicklungen der geplanten Konzeptionen ein. Diese Prozesshaftigkeit prägte nicht nur den Ablauf und die Gestaltung der Klimaoasen-Veranstaltungen, sondern stärkte auf diesem Weg auch das Bewusstsein für Klimaschutz und nachhaltiges Handeln in der Gesellschaft.

Der partizipative Ansatz zielt darauf, nicht nur für, sondern mit den Menschen zu forschen – und dabei auch den Weg zur Erkenntnis gemeinsam und offen zu gestalten. Zunächst wurden also Wissenslücken identifiziert, dann die tatsächlichen Bedürfnisse der Beteiligten verstanden und schließlich innovative, nachhaltige Lösungen vor Ort entwickelt, um diesen Bedürfnissen nachzukommen.

Was hat dieser Prozess bewirkt?

Alle Impulse und Ideen – gemeinsam mit den Forschungsergebnissen der Universität – bilden nun die Grundlage für die Entwicklung der Hands-On Stationen und dem neuen Leitsystem im Eversten Holz. Diese machen menschliche und ökologische Bedürfnisse sichtbar, fördern das Verständnis für Naturprozesse und Klimaveränderungen und laden dazu ein, Natur aktiv und bewusst zu erleben.

Aus dem Prozess entstanden konkrete Bildungsangebote, die Bewegung und Naturwahrnehmung verknüpfen, um Identifikation, Achtsamkeit und verantwortungsvolles Verhalten zu fördern. Hands-On Stationen und ein neues Leitsystem machen den Klimawandel im Eversten Holz als systemisches Phänomen erlebbar. An der Schnittstelle von Aktivität, Umweltbildung und Erholung schaffen sie einen ganzheitlichen Lern- und Erlebnisraum im Gartendenkmal. (Mehr dazu findet sich unter Kulturwissenschaftliche Begleitforschung unter dem Punkt “Nutzung der Daten & Konzepte”)

Letztlich zeigte sich, dass Klimaanpassung nicht nur auf struktureller, sondern auch auf mentaler Ebene stattfinden muss. Die Verbindung aus wissenschaftlicher Analyse, kreativen Methoden und interaktiven Formaten hat dazu beigetragen, nachhaltiges Denken langfristig im Alltag der Menschen zu verankern – ein entscheidender Erfolgsfaktor des Projekts.

Öffentlichkeitsarbeit 

Mit vielseitiger Öffentlichkeitsarbeit wurde ein starker Fokus auf die aktive Einbindung der Stadtbevölkerung gelegt. Durch eine kontinuierliche und transparente Kommunikation, verschiedene Beteiligungsformate und einen aktiven Dialog wurde versucht, die Öffentlichkeit frühzeitig einzubeziehen und über den aktuellen Projektstand zu informieren. 

Ein zentraler Bestandteil zur aktiven Einbindung der Bevölkerung waren dabei vielfältige Umweltbildungsformate, die niedrigschwellige Zugänge zu den Projektthemen boten:  

Durch die Installation von interaktiven Erlebnisstationen im Eversten Holz wurde dieser Ansatz verstetigt und trägt auch über die Projektlaufzeit hinaus zu Wissensvermittlung und zu einer Stärkung der Naturverbundenheit bei. 

Flankiert wurden diese dauerhaft zugänglichen Angebote durch termingebundene Veranstaltungen, die über den Projektfortschritt informierten, Wissen zu Klimawandelauswirkungen und Klimaanpassung vermittelten und die Verbundenheit mit der Natur stärkten. Eine Ausstellung im Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg bildete den Abschluss des Projektes und brachte die Projektthemen in größeren Zusammenhänge von gesellschaftlichem Wandel, Stadtentwicklung und Naturverbindung. 

Ergänzend dazu sollten Mitmachmöglichkeiten, wie ko-kreative Labor-Veranstaltungen, eine Befragung zu Nutzungsgewohnheiten und -wünschen der beiden Gartendenkmäler sowie unterschiedliche Citizen Science Projekte zur Beteiligung und Identifikation mit dem Projekt beitragen. 

Die Kommunikation erfolgte dabei transparent und vielseitig über digitale und analoge Kanäle – darunter eine interaktive Website mit Blog, Social Media, Pressearbeit sowie Kommunikationsmaßnahmen während der Baumaßnahmen direkt vor Ort. So wurden aktuelle Informationen zum Projektstand sowie Hintergründe zu Maßnahmen der Klimaanpassung geteilt. Eine verständliche Wissenschaftskommunikation sorgt dabei dafür, dass auch komplexe Zusammenhänge rund um die durchgeführten Klimaanpassungsmaßnahmen anschaulich und leicht nachvollziehbar aufbereitet werden. 

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